Abfall mit Adresse
In Kalundborg tauschen Betriebe seit Jahrzehnten Dampf, Gips und gereinigtes Abwasser untereinander. In Kwinana wandert Kohlendioxid aus der Chemieindustrie in die Getränkeproduktion. Was in der Fachsprache industrielle Symbiose heißt, ist die intelligente Verbindung von Wertschöpfungsketten: Der Reststoff des einen Betriebs wird zum Rohstoff des anderen.
Eine aktuelle Studie hat sich angesehen, warum Unternehmen das tun. Das Ergebnis ist nicht wirklich überraschend, sollte aber bei jeder Kreislauf-Strategie, die auf Umnutzung setzt, beachtet werden.
Letzte Woche ging es in der Lerneinheit um Remanufacture: aus Gebrauchtem neu fertigen, mit voller Garantie. Diese Woche folgt Repurpose: das Produkt bekommt eine neue Aufgabe statt seiner alten. Die wöchentliche Lerneinheit am Freitag gibt es für Abonnent*innen. 7 Screens in 3 Minuten.
Die Lücke in der Rechnung
Ein Team der University of Technology Sydney hat Fachleute aus elf marktführenden Fertigungsunternehmen befragt, die Materialströme tatsächlich austauschen.
Die Antwort ist fast durchgehend wirtschaftlich: Kosten sparen, neue Erlösquellen aus Nebenprodukten, Entsorgung vermeiden. Marketing und Reputation kommen als zweites Motiv dazu. Umweltgründe dagegen sind nur in den wenigsten Fällen Grund für diese Kooperationen.
Die Autor*innen nennen das eine Dekarbonisierungs-Lücke. Der Materialtausch senkt reale Emissionen des Unternehmens, weil er Neuproduktion und Primärmaterial ersetzt. Nur taucht dieser Effekt oft in keiner Klimastrategie auf, weil er oft nicht als solcher verbucht wird.