Reduce: Wenn Sparen den Verbrauch anheizt
Zwanzig Prozent weniger Material, gleiche Funktion, niemand merkt einen Unterschied. Klingt nach gutem Geschäft, und oft ist es das auch. Nur ist es selten so viel Kreislaufwirtschaft, wie es aussieht. Ein systematischer Review von 75 Studien warnt: Eine Strategie, die nur auf Effizienz setzt, reproduziert am Ende dieselben Muster wie das lineare Modell.
Letzte Woche ging es in der Lerneinheit um Rethink: die Funktion verkaufen statt das Produkt. Diese Woche folgt Reduce, mit einem Haken: Effizienz allein kann nach hinten losgehen. Die wöchentliche Lerneinheit am Freitag gibt es für Abonnent*innen. 7 Screens in 3 Minuten.
Der Haken heißt Rebound
Der Effekt ist alt. Schon 1865 fiel auf, dass effizientere Dampfmaschinen den Kohleverbrauch nicht senkten, sondern steigerten, weil Kohle billiger und damit attraktiver wurde. Dasselbe Muster zieht sich heute durch zirkuläre Strategien: Wird ein recyceltes oder wiederverwendetes Produkt günstiger, kauft man leicht mehr davon.
Die Studienautor*innen zeigen, dass der Rebound-Effekt kein Randphänomen ist. Er tritt bei Wiederverwendung, Recycling, Remanufacturing und Mietmodellen auf und wirkt auf mehreren Ebenen, bis hin zur moralischen Entlastung: Wer „nachhaltig“ kauft, gönnt sich an anderer Stelle mehr. Effizienz senkt den Aufwand pro Stück, aber sie steuert nicht die Menge.
Wie groß der Effekt werden kann, zeigt ein modellierter Fall aus der Modebranche, den der Review anführt: Dort frisst der Rebound bis zur Hälfte der eingesparten Emissionen wieder auf.