2 Min. Lesezeit

Der Einkauf entscheidet

Der größte Einkäufer Europas soll nicht mehr nur auf den Preis schauen. Was das geplante Vergaberecht für aufbereitete IT heißt. Start der Refurbish-Woche.
Foto: Geöffnetes Notebook mit Blick auf Platine und Akkus, daneben Werkzeug. Nikolai Chernichenko/Unsplash
Vertrauen in Reparatur

Kein Einkäufer in Europa ist größer als die öffentliche Hand: Rund 250.000 öffentliche Auftraggeber geben jedes Jahr etwa 14 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung aus, rund zwei Billionen Euro. Den Zuschlag bekommt dabei immer noch meist das billigste Angebot.

Genau das will die Kommission ändern. Ein im Juli durchgesickerter Entwurf für das neue EU-Vergaberecht macht Nachhaltigkeit und Kreislauffähigkeit zu zentralen Vergabekriterien, mit einem eigenen Kapitel zur grünen Beschaffung, von Sekundärrohstoffen bis zu zirkulären Geschäftsmodellen. Der offizielle Vorschlag ist für den 9. September angekündigt.

Letzte Woche ging es in der Lerneinheit um Repair: reparieren statt ersetzen, und was das Recht auf Reparatur verschiebt. Diese Woche folgt Refurbish: die Generalüberholung, wie neu und mit Garantie. Die wöchentliche Lerneinheit am Freitag gibt es für Abonnent*innen. 7 Screens in 3 Minuten.

Vertrauen kauft mit

Für die Refurbish-Woche ist das mehr als eine Randnotiz. Aufbereitete Geräte scheitern im Einkauf bisher selten an der Qualität, sondern an der Vergleichslogik: Wo nur der Stückpreis neuer Ware zählt, kommt generalüberholte gar nicht erst in die Wertung. Rücken Kreislauf-Kriterien ins Vergaberecht, wird Refurbished-First vom Nischenprinzip zur bewertbaren Option, für Behörden ebenso wie für Unternehmen, die sich an öffentlichen Standards orientieren.

Bleibt die zweite Hürde, und die steht in keinem Gesetz: Vertrauen. Wie Kaufentscheidungen mit Eigenschaften umgehen, die man dem Produkt nicht ansieht, hat ein Team der Universität Aarhus in einem systematischen Review von 175 Studien zu Nachhaltigkeits-Labels aufgearbeitet.

Dieser Beitrag ist nur für Abonnenten