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Vernichten verboten. Und jetzt?

Seit 19. Juli darf unverkaufte Kleidung in der EU nicht mehr vernichtet werden. Damit beginnt die eigentliche Arbeit: weitergeben. Auftakt der Reuse-Woche.
Foto: Stapel gefalteter Stoffe. Hammam/Unsplash
Weitergeben statt schreddern

Seit dem 19. Juli dürfen große Unternehmen in der EU unverkaufte Kleidung, Schuhe und Accessoires nicht mehr vernichten. Schätzungen zufolge traf das bisher 4 bis 9 Prozent aller Textilien, die in Verkehr kommen: Ware, die produziert und transportiert wurde, um dann ungetragen im Schredder zu landen.

Refuse als Strategie ist ein Hebel, Überproduktion gar nicht erst entstehen zu lassen. Was aber passiert mit der Ware, die schon da ist? Sie braucht einen zweiten Weg. Genau dort beginnt Reuse, die vierte Strategie der Kreislauf-Serie.

Letzte Woche ging es in der Lerneinheit um Reduce: weniger Material, gleicher Nutzen, und den Rebound-Effekt als Haken. Diese Woche folgt Reuse: weitergeben statt wegwerfen. Die wöchentliche Lerneinheit am Freitag gibt es für Abonnent*innen. 7 Screens in 3 Minuten.

Weitergeben bleibt die Ausnahme

Wie verbreitet Weitergeben als Geschäftsmodell ist, hat ein Forschungsteam untersucht. Analysiert wurden 150 Unternehmen, die ihr Geschäft erklärtermaßen auf Suffizienz ausrichten, also darauf, dass Kund*innen Produkte weniger oder länger nutzen. Wenn Wiederverwendung irgendwo selbstverständlich sein sollte, dann in dieser Auswahl.

Das Ergebnis ist ernüchternd. 134 der 150 setzen vor allem auf die grünere Alternative: ein nachhaltigeres Produkt, das gewohnte Konsummuster bleibt unangetastet. Wiederverkauf und Tauschplattformen finden sich deutlich seltener, und nur acht Unternehmen verzichten bewusst auf Rabatte und Kaufanreize. Selbst dort, wo Suffizienz im Leitbild steht, bleibt die Umsetzung auf Produktebene die Ausnahme.

Ein weiterer interessanteste Befund steckt in einem Detail der Analyse. Die Autor*innen zählen Second-Hand-Verkauf explizit nicht zu den Strategien, die Konsum verringern: Wer Gebrauchtes anbietet, lädt zu anderem Konsum ein, nicht zwingend zu weniger.

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